Ich wuchs in einem Dorf an einem Sandstrand der Ostküste der Größten Insel auf. Das Wetter hier war rau und das Leben schön. Das Land bot alles, was man zum Leben brauchte: Fisch aus dem Meer, Beeren und Wild aus dem Uppat Wood, trinkbares Wasser aus dem Loch an Lin und genug guten Boden, um Ackerbau zu betreiben.

Meine Mutter war eine Einheimische, doch mein Vater war es nicht. Er war einst mit einem großen Schiff gekommen, um sich zu bereichern; blieb dann aber mit einigen anderen, um seine Söhne groß zu ziehen. Er lehrte mich das Kämpfen mit Axt, Schwert und Schild, sowie das Arbeiten mit Holz und auch das Jagen.

Es war wohl zwölf Jahre nach meiner Geburt, als mein Vater den Ruf seines Königs erhielt. Er ging mit dem Versprechen, baldmöglichst zurückzukehren. Fortan musste ich für das Fleisch zu sorgen, während meine Geschwister die anderen Aufgaben im Haus übernahmen und meine Mutter für uns im Rat sprach.

Zwei Jahre später, im Sommer, kehrte mein Vater zurück. Er hatte ein Auge und drei Finger verloren. Er blieb den Winter über und es fühlte sich für mich an wie früher. An dem dunkelsten Tag in diesem Winter jedoch holte mich mein Vater aus dem Bett, als in der Feuerstelle nur noch Glut war. Und er sagte zu mir: „Sohn, ich werde zu alt für den Kampf; Du jedoch bist in dem besten Alter, um Dich zu beweisen. Wenn es wärmer wird, wird ein Schiff kommen und mich verlangen. Du wirst dann an meiner Stelle gehen und die Dienste für meinen König leisten, die ich ihm schulde.“

Einige Zeit später, als die Schafe lammten, kam das Schiff. Und ich ging, bepackt mit dem besten Dörrfleisch, was wir noch hatten und dem Schwert und dem Schild meines Vaters an Bord. Ein guter Freund und Kampfbruder meines Vaters ging vor mir und stellte mich vielen Leuten vor. Es waren alles Männer, so breit wie Eichen – oft auch so umfangreich – und mit gewaltigen Bärten.

Ich will hier nicht von all meinen Reisen berichten, denn diese sind besser am Lagerfeuer erzählt, doch mein Weg zu den Drokhaji ist der Mühe wert, niedergeschrieben zu werden:

Nach dem ich mir meinen ersten Respekt erkämpft hatte und meinem Anführer Thorolf gute Dienste geleistet hatte, wurde ich mit ihm zusammen zu des Königs rechter Hand gerufen. Er sagte: „Thoralf, ich hörte von Eurem jungen Kämpfer. Sagt mir, könntet Ihr Euch vorstellen, dass er sich gut als Bote zwischen den Anführern macht?“ Thoralf sagte: „Er ist noch jung und kräftig gebaut. Noch kann man ihn formen und ausbilden. Wenn Ihr das übernehmen wollt, bin ich einverstanden.“ So wurde ich unterwiesen, wie ich auf schnellen Pferden zu reiten hatte und wie ich Texte lesen könne, damit ich die Botschaften, die ich übermitteln sollte, vorlesen könnte, falls ein Empfänger der geschriebenen Sprache nicht mächtig wäre.

Während eines heftigen Kampfes mit vielen Hundert Kriegern auf beiden Seiten wurde ich davon überrascht, dass ein kleiner Trupp der Feinde es hinter unsere Krieger geschafft und sich genau auf meinen Pfad gestellt hatte. Ich hatte Glück, denn ich preschte von hinten an sie heran und konnte zwei schlagen, bevor sie mich überhaupt bemerkt hatten; der anschließend Kampf war heftig und wenig heldenhaft. Mein Pferd war bereits getroffen und ich ebenfalls, als ich plötzlich eine starke Verbundenheit mit meinem Pferd spürte. Und ich spürte, wie es plötzlich von einer ungeheuren Kraft durchdrungen wurde, so wie ich. Und mit dieser Kraft gelang es uns, zu fliehen und unsere Krieger zu alarmieren. Dies war ein Geschenk von Jithor und Dro, da bin ich mir sicher. Zu dieser Zeit aber wusste ich noch nichts davon.

Es vergingen einige Jahre, in denen der Krieg weniger heftig war. Ich hatte des Öfteren nichts zu tun und trieb mich mit Kumpanen in Tavernen herum. Dabei hatte ich auch eine Begegnung mit einer damals schutzbedürftig aussehenden Zigeunerin namens Ninive. Ich zog die meiste Zeit, in der ich nicht von meinem König gebraucht wurde, mit Ihr umher und lernte dabei, dass Schutz nicht nur durch Kraft und Waffen geschaffen wird. Schließlich, als wir gerade wieder zusammen unterwegs waren, ereilte uns ein Ruf. Ein Ruf, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte: Der Ruf der Drachen. Es war kein einzelner Drache, sondern viele. Und so verschlug es mich das erste Mal in die Lande der Drachen.

Schließlich, nach einer großen Schlacht, hieß es, der Krieg sei vorbei und meine Dienste nicht mehr notwendig. Noch bevor ich nach einem Schiff zur Größten Insel suchen konnte, ereilte mich aber erneut der Ruf der Drachen. Ich glaube, es war die Stimme des Blauen, die für mich am deutlichsten war. Angekommen in den Drachenlanden verbrachte ich die erste Zeit damit, meine handwerklichen Tätigkeiten in der Stadt anzubieten und des Abends zwischen den Lagern zu wandern, auf der Suche nach einem warmen Platz und angenehmer Gesellschaft. Weit kam ich nicht, denn nachdem ich am ersten Abend im blauen Lager bei einem geselligen Reitervolk versackt war, luden sie mich ein, jeden Abend wieder zu kommen. Und so kam ich jeden Abend wieder und feierte und bewies meine Trinkfestigkeit. Und dabei erfuhr ich von Dro und Khaji und ich wusste: Ich habe mein Schicksal gefunden. Und so ließ ich mir beschreiben, wo ich die Drokhaji finden würde. Nach meiner Rückkehr aus den Drachenlanden ging ich also auf ein Schiff, welches nicht Richtung der Größten Insel fuhr sondern vielmehr ihr entgegengesetzt: In Richtung der Großen Steppe.