Die Legende erzählt von Drø, dem Stammvater der ehrbaren Völker und tapfersten Krieger dieser und aller Welten.

Als die Welt noch jung und die Zeit an ihrem Anfang war, überzog Steppe alles Land. Kein Baum war gewachsen und die Erde noch rein. Über das heilige Grasmeer galoppierten stolz der Hengst Jithor und sein Weib, die Stute Jathar. Kein Wesen der Erde hat jemals die Anmut und den Stolz erlangt, den diese heiligsten aller Geschöpfe der Erde einst schenkten. Als Drø diese Anmut und Kraft sah, vergaß er ein Mensch zu sein, und wollte nur noch eines werden oder sterben: Ein Reiter, ein Pferdemann!

Doch seine Kraft und Schnelligkeit reichten nicht aus, Jithor und Jathar einzuholen oder gar zu bezwingen. Ewigkeiten verbrachte er damit, ihnen nachzulaufen oder aufzulauern, doch der Erfolg blieb aus. Erschöpft ob der ewigen Anstrengung brach er zusammen. Die Sonne aber konnte es nicht ertragen, den starken Krieger ohne Kraft zu sehen und verbarg ihr Antlitz hinter dem Ende der Welt. Als es aber dunkel und kalt wurde und der frostige Tod sich Drø näherte, schickte die Sonne ihre Tochter Manju, den Mond. Sie sah den entkräfteten Krieger und gewann ihn lieb. Da sandte sie von ihrer Kraft auf Drø herab und dieser erholte sich während dieser ersten Nacht aller Zeiten. Seit diesem Tag schenkt Manju allen Kindern Drøs Kraft, sei es beim Schlafe oder beim Wein. Als Drø sich erholt hatte und aufstand, erschien die Sonne wieder, erleichtert, ihn in alter Kraft zu sehen.

Drø aber setzte sich nieder und grübelte, wie er Jithor fangen könne. Da kam Kor, die Krähe, und sprach ihn an. Drø war erzürnt, dass ein solch ungeschmückter Vogel ihn ansprach. Kor aber erlangte mit List Drøs Aufmerksamkeit und beeindruckte ihn mit seiner Klugheit. So sprachen Drø und Kor miteinander und Kor schlug Drø ein Geschäft vor. Er wolle Jithor ablenken und ihn schwächen, auf dass Drø den Hengst überraschen und bändigen könne. Dafür aber wollte Kor das Fleisch eines jeden Feindes, den Drø jemals erschlagen würde. Das ist der Grund, warum Drøkhâji bis zum heutigen Tag ihre Gefallenen und Verstorbenen verbrennen und ihre Feinde auf dem Felde lassen.

So kam es über die zweite Nacht, dass sie den Plan besprachen und erörterten. Am nächsten Morgen jedoch flog Kor davon, um Jithor und Jathar zu finden. Der Tag war noch nicht alt, als Kor die beiden fand. Er setzte sich zwischen diese und sprach zu ihnen: „Kennst du den einen, dem du niemals entkommen kannst, wie schnell du auch läufst?“ fragte Kor Jithor. Dieser lachte nur wiehernd und spottete über Kor. Kor aber krächzte verächtlich und sprach: „Entkomme deinem Schatten!“ Jithor drehte sich um, sah seinen Schatten, schnaubte stolz und rannte, wie nie ein Pferd bis dahin oder seitdem gerannt ist. In der ersten Nacht glaubte Jithor, seinen Schatten abgehängt zu haben, doch da lächelte Manju auf die Steppe herab und Jithor fand seinen Schatten direkt hinter sich. So rannte er 11 Tage und ermüdete. Weißer Schaum bedeckte seine Flanken, sein Atem glich dem Sturm und seine Mähne war wild. Da setzte sich Kor zu ihm und fragte: „Warst du erfolgreich, Jithor?“ „Nein“ war die Antwort. Kor fragte weiter: „Weißt du, von wem diese Verse sprechen? Im Tal verweile ich nur kurze Stunde, am Berg bin ich den ganzen Tag. Lächelnd blick ich durch die Runde und Keinen gibt’s, der mich nicht mag!“

Da dachte Jithor angestrengt nach, eifrig Kor zu zeigen, dass er fähig war, diese Aufgabe zu bestehen. Währenddessen aber hatte sich Drø, wie mit der Krähe geplant, schon an Jithor herangeschlichen und war einen Herzschlag später auf ihn gesprungen. Jithor, wieherte so erschrocken wie erzürnt, bäumte sich auf, rannte und sprang um Drø abzuschütteln. Die letzten Kräfte nutzend rang er so einen ganzen Tag mit Drø. Dieser aber hielt sich tapfer und war nicht abzuschütteln. Als die Sonne den Himmel ein weiteres Mal emporstieg, sah Kor auf einer Hügelkuppe das Mischwesen stehen. Jithor, zitternd vor Schwäche und Drø immer noch auf seinem Rücken, der Ohnmacht nahe. Da kam Jathar hinzu, erleichtert, ihren Geliebten wieder gefunden zu haben. Jithor aber sprach zu Drø: „Unwürdiger Mensch, was wagst du es, mich so hereinzulegen?“ „Mit Kraft und Schnelligkeit konnte ich dich nicht bezwingen, also lernte ich von der Krähe die List. Und dieser bist du nicht gewachsen!“ Jithor musste einsehen, dass er mit der List nicht umgehen oder ihr entgegen treten konnte. Also sprachen sie zusammen und wurden sich einig. So denn jeder den Stolz und die Ehre des anderen nicht verletze, wollten sie miteinander gehen und Stolz, Kraft, Schnelligkeit und List zu aller Vorteil nutzen.